Vor einiger Zeit habe ich in unseren alten Familienfotoalben geblättert. Zwei Dinge sind mir aufgefallen. Seit ich digital fotografiere, landen dort immer weniger Fotos und die Aufnahmen, die es geschafft haben, wirken irgendwie flau und weniger farbecht als die Film-Fotos. Kann es sein, das seelenlose Nullen und Einsen daran schuld sind oder ist das doch etwas zu kulturpessimistisch gedacht? Nachdem mich vor fünf Jahren auch das digitale Fieber befallen hatte und ich mir für viel Geld (über 1000 Euro) eine Konica-Minolta Dynax 7D angeschafft habe, ist die Euphorie doch etwas verflogen. Bessere Fotos sind mir jedenfalls seither nicht gelungen. Natürlich finde ich es toll, dass man bei Aufnahmen sofort die Ergebnisse überprüfen kann (für mich der entscheidende Vorteil der Digitalfotografie) und das die Bildbearbeitung am PC gemacht werden kann und keine Dunkelkammer mit viel Chemie, dafür hätte ich gar keinen Platz, nötig ist. Aber eben auch die Nachteile: Geringeres Auflösungsvermögen, ein weniger an Kontrastumfang, verschmutzte Sensoren und “Hilfe meine Batterie ist alle!”, nach dem Gesetz der größten Gemeinheit immer dann, wenn ein ganz tolles Motiv auftaucht und die nächste Steckdose weit weg ist. Mir ist schon klar, dass die genannten Eigenschaften eher auf die heute, fünf Jahre nach ihrer Anschaffung, hoffnungslos veraltete DSLR (!!) zurückzuführen ist und es bereits Vollformat-, ja sogar Mittelformatsensoren gibt, der Dynamikumfang der heutigen Kameras sich kaum noch von den Filmen unterscheidet und dann gibts ja auch noch HDR. Im Moment kostet so eine Technik aber immer noch richtig viel Geld. Vor kurzem hab ich dann aus einer spontanen Eingebung heraus, den analogen Schritt zurück gemacht und bei ebay für 66 Euro eine Minolta X700 mit einem 1:1.4 50mm Objektiv ersteigert. Mittlerweile sind noch einige preiswerte Objektive und das legendäre Minolta 58mm 1:1,2 (mußt ich einfach haben) dazugekommen. Von der Kamera bin ich einfach begeistert. Sie liegt total gut in der Hand und das satte Auslösegeräusch der Minolta ist absolut geil. Fürs Entwickeln hab ich das Farbglanz-Labor entdeckt. Dort bekomm ich qualitativ ansprechende Abzüge von den Aufnahmen, die ich haben möchte. Den entwickelten Film kann ich mir bequem von zu Hause auf meinem Account anschauen und dann auswählen. Trotzdem gehört die Zukunft ganz klar digital, die Analogfotografie wird ein Nischendasein fristen und den Liebhabern überlassen bleiben, vergleichbar halt mit Schallplatten. Aber mal ehrlich: Es ist doch einfach sinnlicher eine LP aus einem kunstvoll gestalteten Cover herauszunehmen, auf den Plattenteller zu legen, abzustauben und den Tonarm langsam auf die sich drehende Scheibe zu setzten, als auf einem Player aus einer Liste eine MP3 Datei auszuwählen. Und so ähnlich ist das mit Fotos Dias oder Filmstreifen, die man in den Händen halten kann und die man möglicherweise selbst entwickelt und vergrößert hat im Vergleich zu JPG-Dateien, die auf irgendeiner Fetplatte schmoren. Im fotcommunity-Forum “Analoge Fotografie” wird sich übrigens in einem interessanten Thread schon seit einiger Zeit mit der Frage auseinandergesetzt, warum man heute eigentlich noch analog fotografiert. Mein Fazit: Analog ist cool! Das Foto habe ich mit einem Kodak BW 400 CN beim letzten Makabu-Konzert im Erfurter Stadtgarten gemacht.
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